Unsere Top 10 Freeware & Open Source Programme

In den Zeiten von Windows 98 und XP war es noch ganz natürlich, in ein Geschäft zu gehen und sich die Anwendersoftware zu kaufen, die man brauchte. Mit etwas Glück gab es Demoversionen oder die Software wurde als Shareware (wie PaintShop Pro) vertrieben. Oft musste man aber auch auf den Rat der Verkäufer vertrauen.

Kein Wunder, dass viele Programmierer anfingen ihre Software als Freeware oder Open Source zu vertreiben. So musste man nicht mehr die Katze-im-Sack kaufen und bekam mehr Feedback durch eine größere Benutzerbasis (die nicht mehr von dem Rat einiger weniger, mehr oder weniger gut informierter Verkäufer abhängig war), so dass die Software gezielter verbessert werden konnte.

Häufig werden neben den kostenlosen Freeware-Versionen auch umfassendere Versionen für Firmen angeboten oder die kommerzielle Nutzung der Freeware-Versionen untersagt. Für private Anwender ist es aber kaum noch nötig teure Software zu kaufen (außer man braucht unbedingt Adobe Software oder MS Office – meistens glauben Benutzer aber nur diese zu brauchen und nutzen noch nicht einmal alle Features von einigen Freeware-Programmen).

Es geht los:

1) Thunderbird (Open Source)

 top10_opensource_thunderbird
Bild 1: Übersicht der Postfächer in Thunderbird.

Das E-Mail-Programm von Mozilla (Firefox) bietet alles was man von einem E-Mail-Programm erwartet und mit der Kalendererweiterung und vielen Add-ons sogar noch viel mehr. Auch mit den Microsoft Exchange-Servern kann Thunderbird fast alle dort bereit gestellten Features nutzen. Mithilfe von IMAP lassen sich alle gängigen Anbieter, wie Gmail, GMX, Yahoo, etc., nutzen.

top10_opensource_thunderbird_2

Bild 2: Kalenderübersicht in Thunderbird.

Thunderbird gibt es für alle wichtigen Plattformen, inklusive Windows, Linux, BSD und Mac.

2) 7-Zip (Open Source)

Die Zeiten von WinZip sind lange vorbei. Zunächst konnte Windows selbst mit Zip-Dateien umgehen (eher schlecht als recht), später wurde dann das RAR-Format entwickelt. Als Reaktion darauf, installierten sich viele Benutzer WinRAR und wurden nach kurzer Zeit häufig daran erinnert, dass die 30 Tage der Testversion abgelaufen sei und doch bitte eine Lizenz gekauft werden sollte, was wohl nur Firmen auch wirklich mal gemacht haben.

7-Zip ist ein Open Source Programm und kostenlos. Es unterstützt Zip-, RAR und 7z-Dateien und kann mit Windows, Linux oder Mac genutzt werden.

3) XnView (Freeware)

XnView ist auf der einen Seite ein Bildbetrachter, mit dem Fotos und Bilder in anschaulichen Übersichten dargestellt werden, andererseits kann auch eine einfache Bildbearbeitung vorgenommen werden (drehen, Farben anpassen, etc.).

top10_freeware_xnview

Bild 3: Batch-Verarbeitung mit XnView

Der Vorteil ist, dass all dies auch in einer Batch-Verarbeitung erledigt werden kann. Das heißt, die Aktionen müssen nur einmal definiert werden und können dann auf ein ganzes Bildverzeichnis angewendet werden. So können ohne viel Arbeit 1000 Bilder verkleinert, in Schwarz/Weiß umgewandelt oder nachgeschärft werden.

Alle gängigen und auch nicht gängigen (z. B. IFF) Bildformate werden unterstützt. Die originale XnView Version gab es ursprünglich nur für Windows, XnView MP gibt es auch für Linux und Mac.

4) GIMP (Open Source)

Wem Photoshop zu teuer ist, der landet meistens direkt bei GIMP. Auch wenn die Benutzung teilweise etwas Gewöhnung benötigt, sind die Ergebnisse und Werkzeuge auf einem sehr professionellen Niveau und oft genau so gut wie die von Photoshop oder anderen kommerziellen Grafikprogrammen.

top10_opensource_gimp_2 

Bild 4: Bildbearbeitung in GIMP.

Für den privaten Anwender lohnt es sich heute kaum ein Abo für Photoshop abzuschließen. Einerseits ist es relativ teuer, andererseits wird hier ebenfalls viel Zeit für die Einarbeitung benötigt. Bei den meisten Anwendern wird die Qualität der Ergebnisse sowieso nicht durch die Software bestimmt, sondern nur durch das eigene Können. Zudem gibt es für GIMP auch viele Plugins und die Integration mit anderer Open Source Software ist meistens sehr gut. Auch Wacom Grafiktablets funktionieren mit GIMP ohne Probleme.

GIMP gibt es für Windows, Linux, BSD und Mac.

5) Krita (Open Source)

Da viele nicht nur Fotos bearbeiten, sondern auch mal ein Bild wirklich selbst malen wollen, gibt es auch hier eine Open Source Alternative. Viele glauben Krita wäre eine weitere Alternative zu Photoshop, aber wer mit Photoshop Bilder malt, macht sich auch ein Nasenpiercing mit einer Nagelpistole – es geht, macht aber nicht wirklich Spaß.

top10_opensource_krita

Bild 4: Der überarbeitete Brush Editor in Krita. (Quelle: Krita Press Kit)

Krita ist eher vergleichbar mit einer Software wie Corel Painter oder Clip Studio Paint Pro. Es gibt viele Werkzeuge, die bis ins kleinste Detail konfiguriert werden können: Von Tusche über Bleistift bis hin zu Pixel-Art wird alles unterstützt.

Krita stammt aus der Linux-Welt, wurde aber zum Glück nach einiger Zeit auch für Windows und Mac angepasst.

6) LibreOffice (Open Source)

Vielleicht kennt noch jemand StarOffice aus der Mitte der 90er Jahre, das oft auch bei Komplettsystemen dabei war. Es war die günstige und in Deutschland entwickelte Alternative zu MS Office. Dann kaufte Sun die Software und brachte sie als OpenOffice heraus. Dann kam Oracle und kaufte Sun. Viele Entwickler hatten Angst, dass Oracle OpenOffice kaputt machen würde und spalteten sich mit LibreOffice ab.

Heute gibt es sowohl LibreOffice und als auch OpenOffice. OpenOffice gehört mittlerweile der Apache Software Foundation, die es von Oracle übernommen hat, nachdem sich herausstellte, dass Oracle mit dem Projekt nichts anzufangen wusste und es daher auch kaum weiterentwickelt hatte.

top10_opensource_libroffice

Bild 5: Geöffnete Präsentation in LibreOffice Impress.

LibreOffice kann alles, was MS Office auch kann und einige Dinge sogar noch besser (Entwickler werden LibreOffice Calc allein wegen dem einfacheren CSV-Import nutzen). Optisch orientiert sich LibreOffice eher an den älteren MS Office Versionen mit vielen eigenen und durchdachten Erweiterungen, z. B. die bessere Ausnutzung der Bildschirme in der Breite. MS Office Dateien können gelesen und auch geschrieben werden, wodurch auch weiterhin Dateien mit MS Office Nutzern ausgetauscht werden können. Bei älteren Word-Dateien liefert LibreOffice teilweise sogar bessere Import Ergebnisse als neue MS Office Versionen.

LibreOffice gibt es für Windows, Linux, Mac und noch viele andere Systeme.

7) Blackmagic DaVinci Resolve (Freeware)

Wenn es um den Bereich der Videobearbeitung geht, sind die Großen der Branche immer noch Adobe und Magix (die zum Erstaunen vieler der aufgekauften Software oft sehr guttaten und vieles besser gemacht haben). Die Preise sind aber entweder sehr hoch, wie bei Adobe, oder jedes Update wird als neue Version verkauft. Blackmagic ist seit Jahren vielen ein Begriff. Sie sind von Capture-Karten hin zu Software und Kameras gegangen und hier auch eine günstige Alternative zu Sony und RED, wenn man kleinere Produktionen plant.

top10_freeware_davinciresolve 

Bild 6: Videobearbeitung mit Blackmagic DaVinci Resolve.

DaVinci Resolve war lange für seine Möglichkeiten zu Farbanpassungen (Color-Grading) bekannt. Genutzt wurde es in Filmen wie „Avengers: Infinity War“ oder „Deadpool 2“. Die Freeware Version hat Einschränkungen bei den Fairlight-Funktionen, kann nicht über 4K-Auflösung arbeiten und hat keine Tools für die Bearbeitung von 3D Filmen. Diese Einschränkungen sollten aber für alle die keine großen Kino-Produktionen planen kein Problem sein.

Blackmagic bietet die Software für Windows, Linux und Mac an.

8) VLC (Open Source)

VLC war mal der VideoLan Client, wurde aber mit dem Wegfallen des Servers dann in VLC umbenannt, was die Abkürzung des ursprünglichen Namens ist. VLC kann so gut wie jedes Video abspielen, das von einer Datei, DVD, Blu-Ray, Stream oder von einem Aufnahmegerät kommt.

top10_opensource_vlc

Bild 7: Übersicht des VLC Media Players.

Die Oberfläche ist zwar nicht unbedingt übersichtlich gestaltet oder als hübsch zu bezeichnen, aber fast immer gilt: Wenn VLC das Video nicht abspielen kann, kann es keine Software. Auch defekte Videodateien, die andere Player überfordern, kann VLC immerhin teilweise abspielen und überspringt die defekten Teile. Viele Filter können in Echtzeit angewendet werden, so kann zum Beispiel ein Stream mit einer eigenen Logo-Einblendung versehen werden und dann weiter gestreamt werden.

VLC gibt es für Windows, Linux, Android, Mac und sogar für Systeme wie OS/2 und QNX.

9) WinSCP (Open Source)

Jeder der eine eigene Homepage hat oder anderweitig mit Webservern zu tun hat, wird das Problem kennen, dass Dateien auf ein Linux-System hochgeladen werden müssen. FTP ist einfach, sFTP ist sicherer und nicht ganz so verbreitet und das Beste wäre SCP über SSH zu nutzen.

top10_opensource_winscp

Bild 8: Oberfläche von WinSCP.

Da Windows sehr lange Zeit keinen eigenen Client, geschweige denn Server mitgebracht hat, wurde WinSCP entwickelt. WinSCP erlaubt das Herunter- und Hochladen von Dateien, kann Dateien direkt bearbeiten und merkt sich die geöffneten Verzeichnisse. WinSCP kann sogar das Amazon S3 Protokoll, was für Cloud-Entwickler sehr praktisch ist.

WinSCP wird zwar nur für Windows entwickelt, kann aber mit Wine auch unter Linux verwendet werden.

10) RawTherapee (Open Source)

Auch wenn es Adobe Lightroom lange noch ohne Abo gab, musste teilweise eine neue Version gekauft werden, um es mit einer neueren Kamera zu nutzen und es lief nicht unter Linux.

Wer im RAW-Format fotografiert bekommt mit RawTherapee eine sehr umfangreiche Werkzeugsammlung mit Farbmanagementfähigkeiten. Farbanpassungen, Weißabgleich, Rauschunterdrückung und allen erdenklichen Funktionen, die zur RAW-Bearbeitung benötigt werden. Bearbeitungen können als Profil gespeichert werden und dann als Batch-Verarbeitung auf alle Fotos einer Serie angewendet werden. Es wird eine Rendering-Queue verwendet, so dass das Speichern der bearbeiten Bilder im Hintergrund geschieht und nicht das Bearbeiten des nächsten Bildes blockieren oder stören kann.

RawTherapee läuft unter Windows, Linux und Mac

Fazit: Mit diesen Top 10 stehen einem viele Tools zur Verfügung, die von der einfachen alltäglichen Arbeit über Hobby und Unterhaltung bis hin zu professionellen Ansprüchen reichen. Für vieles hätte vor einigen Jahren noch viel Geld bezahlt werden müssen, während es heute kostenlos und mit keinen oder nur geringen Funktionseinschränkungen genutzt werden kann.


Auch interessant:

Unsere Top 5 Anwendertipps für Windows.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.